Die November-Weltrangliste der ITTF möchte man immer wieder betrachten. Sie brachte teils spektakuläre Veränderungen. World-Cup-Sieger Dimitrij Ovtcharov ist erstmals die Nummer drei der Welt. Finalist Timo Boll rückte auf Platz vier vor und Simon Gauzy sprintete auf Rang acht.
Der World Cup in Lüttich, der zum deutschen Triumphzug wurde, hat sich auch in Hinblick auf die Weltrangliste für Dima und Timo gelohnt. Zwei Deutsche unter den TOP 4 der Welt – das hat es nie zuvor gegeben, das darf man getrost als sensationell bezeichnen.
Auf den Plätzen eins und zwei stehen nach wie vor die beiden Chinesen Ma Long und Fan Zhendong. Wegen viermonatiger Inaktivität sind Xu Xin und Zhang Jike aus dem Klassement herausgefallen. Doch selbst wenn Xu noch drin wäre, stünde er nun nach Punkten hinter Dimitrij Ovtcharov. Und Zhang wäre hinter dem neuen Fünften Koki Niwa nur die Nummer sechs, 109 Punkte hinter dem früheren Weltranglisten-Ersten Timo Boll.
Eine neue, fantastische persönliche Bestmarke erreichte Ochsenhausens Franzose Simon Gauzy, Vierter beim Weltcup in Lüttich. Zuletzt 13. – schon das war zu diesem Zeitpunkt sein Höchststand gewesen –, ist der 23-Jährige im November die Nummer acht der Tischtenniswelt. Seit Chuang Chih-Yuan hatten die Oberschwaben keinen Spieler mehr unter den TOP 10 der Welt.
Weitere interessante Platzierungen: Besagter Chuang, 36 Jahre alt, machte auf seine alten Tage nochmals einen weiten Satz (von 15 auf 11), Japans jugendlicher Tischtennis-Star Tomokazu Harimoto verbessert sich wieder (von 18 auf 16), Ochsenhausens Brasilianer Hugo Calderano orientiert sich auch weiter nach oben (von 20 auf 18), nicht mehr weit von seiner persönlichen Bestmarke (17. im Februar und Juni) entfernt. Werders ägyptischer Riese Omar Assar klettert auf 20 (Vormonat 21), Ruwen Filus verbessert sich gar um drei Plätze und ist jetzt die Nummer 21 der Welt.
Einen gigantischen Sprung hat der beim Weltcup überzeugende Russe Alexander Shibaev gemacht – von 41 auf 23! Düsseldorfs Schwede Kristian Karlsson büßte dagegen vier Plätze ein und ist nur noch 27. Der Nigerianer Quadri Aruna macht dagegen wieder mächtig Boden gut und sprintet von 36 auf 27. Bastian Steger ist nun 30. (Oktober: 29.), Stefan Fegerls Aktien fallen (von 31 auf 36), Ricardo Walther ist jetzt die Nummer 40 (Vormonat 43) – so weit oben stand der Grünwettersbacher TTBL-Profi bisher nur einmal, und zwar im Monat Juli. Auch Benedikt Duda darf sehr zufrieden sein, der von 51 auf 43 kletterte – für den Bergneustädter, der im Januar schon mal auf Platz 42 notiert war, kein neuer persönlicher Rekord. Patrick Franziska verbesserte sich von 55 auf 53, Steffen Mengel fiel dagegen von 82 auf 83. Es wird Zeit, dass der „Siegerländer Riese“ – auch in Bergneustadt derzeit kein Erfolgsgarant (0:4-Bilanz) – mal wieder einen furiosen Angriff startet.
Wachablösung im Damen-Tischtennis
Bei den Damen gelang es – wie schon vor einigen Tagen berichtet – World-Cup-Siegerin Zhu Yuling, Chinas Ikone Ding Ning von der Spitze abzulösen, die wegen Inaktivität bis auf Weiteres aus dem Ranking fiel, inzwischen aber auch nach Punkten (Differenz: 86) hinter der neuen Nummer eins liegt. Zhu folgen Chen Meng und Weltcup-Finalistin Liu Shiwen, alle aus dem Reich der Mitte.
Hinter dem Trio kommt die Phalanx der Japanerinnen mit – in dieser Reihenfolge – Kasumi Ishikawa, Miu Hirano und Mima Ito. Ihnen folgt Taiwans Weltcup-Dritte Cheng I-Ching. Han Ying konnte wieder einen Platz gutmachen und ist nun die Nummer 11 des internationalen Rankings. Shan Xiaona büßte dagegen zwei Plätze ein und ist nun 19. Ihr Klub, Triple-Sieger ttc berlin eastside, ohnehin gerade in größten Personalnöten, hätte liebend gerne noch – wie im Vorjahr – die 18-jährige Japanerin Miyu Kato im Kader, die immer weiter nach vorne vorstößt und nunmehr die Nummer 17 der Welt ist. Im Oktober stand sie noch auf Platz 21. Apropos Berlin: Gina Pota verbesserte sich von 32 auf 29.
Längere Pause für Petrissa Solja
Petrissa Solja fiel im aktuellen ITTF-Ranking um vier Ränge auf Position 35 zurück. Mit der 23-jährigen Linkshänderin ist in diesem Jahr auch nicht mehr zu rechnen. Ihr Verein und der DTTB vermeldeten am Mittwoch gleichlautend, dass Solja, die derzeit eine hartnäckige Armverletzung auskuriert, nach Rücksprache mit der sportlichen Leitung und der medizinischen Abteilung des Verbandes eine längere Trainingspause einlegen werde.
Petrissa Solja: „Die Verletzung ist so gut wie auskuriert, aber ich fühle mich körperlich und mental derzeit erschöpft. Jetzt schon wieder voll in den Trainingsalltag und in die Wettkämpfe einzusteigen, würde keinen Sinn machen.“ Nach der Regenerationsphase soll die Pfälzerin Schritt für Schritt wieder in das Wettkampfprogramm einsteigen, zunächst mit Einsätzen für ihren Verein.
DTTB-Sportdirektor Richard Prause: „Peti hatte über einen sehr langen Zeitraum hinweg hohe Belastungen. Der sehr intensiven Phase mit der WM in Deutschland ist eine noch längere Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in Rio 2016 vorausgegangen. Die gesteigerten Umfänge haben bei Peti zu einer höheren Verletzungsanfälligkeit geführt. Hinzu kommt, dass sich durch die vielen Belastungen in Verein und Nationalmannschaft ein Gefühl des Überspieltseins eingestellt hat. Eine ausreichend lange Pause ist nun vorrangig für Peti. Sie hat alle Zeit der Welt, zu regenerieren und ihre Akkus vollständig aufzuladen, damit sie anschließend sowohl körperlich als auch mental frisch an den Tisch gehen kann. Deshalb wird sie auch nach der Pause zunächst wieder nationale Wettkämpfe bestreiten.“
Die Tischtennis-Weltranglisten
Text & Foto Solja: Dr. Stephan Roscher
Foto Ovtcharov: ITTF